Regenbogenfamilie

Regenbogenfamilie gründen: Samenspende, Co-Parenting und Mehrelternschaft

Letzte Aktualisierung: 22. Oktober 2026

Eine Regenbogenfamilie ist eine Familie, in der mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder nicht-binär ist. Manche sagen auch Queerfamily oder queere Familie. Die Kinder kommen aus früheren Beziehungen, aus Adoption oder Pflege – und immer öfter aus einer bewusst geplanten Familiengründung mit privater Samenspende oder Co-Parenting. Um diesen Weg geht es hier.

Drei Wege zur Regenbogenfamilie

  • Samenspende: Ein lesbisches Paar oder eine Frau allein bekommt ein Kind mit einem Spender. Der Spender bleibt anonym (Samenbank) oder ist bekannt – vom reinen „Ja-Sager“ bis zum Vater mit Onkelfunktion, der das Kind regelmäßig sieht.
  • Co-Parenting: Zwei bis vier Erwachsene bekommen gemeinsam ein Kind, ohne ein Paar zu sein – zum Beispiel ein schwules Paar mit einer Frau oder mit einem lesbischen Paar. Alle sind Eltern im Alltag, auch wenn das Gesetz nur zwei anerkennt.
  • Mehrelternschaft: Die ausgebaute Form des Co-Parentings mit drei oder vier Eltern, die sich Zeit, Geld und Verantwortung von Anfang an teilen und das schriftlich festhalten.

Leihmutterschaft ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verboten. Für schwule Paare ist Co-Parenting deshalb im Inland der übliche Weg zum eigenen Kind.

Die Rollen in einer Regenbogenfamilie

In der Beratung haben sich Begriffe eingebürgert, die beschreiben, wer welche Rolle übernimmt. Auf wunschfamilie.com kannst du sie im Profil auswählen, und die Suche filtert danach – so findest du Menschen, die dasselbe Modell im Kopf haben.

Co-Mutter / Mitmutter

Die Partnerin der Frau, die das Kind bekommt. Sie ist von Anfang an Elternteil im Alltag; rechtlich wird sie es je nach Land automatisch oder durch Stiefkindadoption.

Co-Vater

Ein Mann, der das Kind als Elternteil mit großzieht, ohne mit der Mutter ein Paar zu sein – allein oder mit seinem Partner.

Vater mit Onkelfunktion

Der biologische Vater ist bekannt und Teil des Lebens, aber nicht Elternteil im Alltag: Er sieht das Kind regelmäßig, wie ein Onkel, und überlässt Erziehung und Entscheidungen den Müttern.

Mutter mit Tantenfunktion

Das Spiegelbild für schwule Paare: Die Frau, die das Kind bekommt, bleibt als Bezugsperson da – wie eine Tante –, während die Väter den Alltag tragen.

Bekannter Spender („Ja-Sager“)

Ein Spender, den das Kind kennen darf und später fragen kann, der aber keine Rolle im Alltag hat.

Soziale Elternschaft

Der Oberbegriff: Eltern sein durch Beziehung und Verantwortung, nicht durch Abstammung. In Regenbogenfamilien ist mindestens ein Elternteil immer sozialer Elternteil.

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Kinderwunsch als lesbisches Paar

Der häufigste Weg ist die Samenspende – über eine Samenbank oder privat mit einem Spender, den ihr selbst auswählt. Mit der Bechermethode klappt die Insemination zu Hause, wenn ihr einen privaten Spender habt. Entscheidend ist, dass ihr vorher klärt, welche Rolle der Spender haben soll: gar keine, Onkelfunktion oder Co-Vater. Diese Frage stellt wunschfamilie.com bei der Anmeldung, und die Antwort steht im Profil.

Wer ist rechtlich die zweite Mutter? Das unterscheidet sich stark:

  • Deutschland: Mutter ist die Frau, die das Kind geboren hat. Ihre Ehefrau wird nicht automatisch Elternteil, sondern erst durch Stiefkindadoption. Bei einem privaten Spender muss in der Regel auch er der Adoption zustimmen. Eine Reform, die die Ehefrau automatisch zum zweiten Elternteil macht, wird seit Jahren diskutiert – Stand Oktober 2026 gilt weiter die Adoption.
  • Österreich: Die Ehefrau oder eingetragene Partnerin der Mutter ist automatisch der andere Elternteil, wenn sie der Zeugung mit Spendersamen zugestimmt hat. Seit 1. Januar 2024 gilt das ausdrücklich auch für die private Samenspende, etwa mit der Bechermethode (§ 154a ABGB), nicht mehr nur für die Kinderwunschklinik. Der Spender kann dann nicht als Vater festgestellt werden. Die Zustimmung ist an keine Form gebunden, schriftlich ist sie aber dringend zu empfehlen. Für Paare ohne Ehe oder eingetragene Partnerschaft gilt diese automatische Zuordnung nicht.
  • Schweiz: Seit Juli 2022 ist die Ehefrau der Mutter automatisch der andere Elternteil, wenn das Kind mit einer Samenspende nach dem Fortpflanzungsmedizingesetz (also über eine Samenbank) gezeugt wurde. Bei privater Spende bleibt die Stiefkindadoption.

Kinderwunsch als schwules Paar

Ohne Leihmutterschaft bleibt im Inland das Co-Parenting: Ihr findet eine Frau oder ein lesbisches Paar, die ein Kind mit euch möchten. Einer von euch wird biologischer Vater und kann die Vaterschaft anerkennen, sein Partner ist sozialer Vater. Je nach Absprache lebt das Kind überwiegend bei euch (die Mutter hat dann eher eine Tantenfunktion) oder bei den Müttern (ihr habt eine Onkelfunktion) – oder im Wechsel. Welche Vorstellungen zu Wohnort, Umgang und Sorgerecht ihr habt, könnt ihr auf wunschfamilie.com im Profil hinterlegen, bevor die erste Nachricht geschrieben wird.

Mehrelternschaft: drei oder vier Eltern

Rechtlich kann ein Kind in Deutschland, Österreich und der Schweiz nur zwei Eltern haben. Eine Mehrelternfamilie lebt deshalb von klaren Absprachen: Wer ist rechtlich Mutter und Vater, wer übernimmt welche Betreuungszeiten, wie werden Kosten geteilt, wer entscheidet bei Schule und Gesundheit. Enge Bezugspersonen ohne Elternstatus können ein Umgangsrecht haben, wenn es dem Kindeswohl dient. Eine schriftliche Vereinbarung bindet das Kind rechtlich nicht, verhindert aber die meisten Konflikte. Was hineingehört, steht im Kapitel Co-Elternschaft & Vereinbarungen.

Beratung für Regenbogenfamilien

In Deutschland beraten die Regenbogenfamilienzentren des LSVD⁺, etwa in Berlin, Hamburg, München, Köln und Stuttgart (BerTA). In Österreich ist das Regenbogenfamilienzentrum Wien (FAmOs) die erste Adresse, in der Schweiz der Dachverband Regenbogenfamilien. Dort gibt es auch Kinderwunsch-Treffen, bei denen sich Menschen mit denselben Plänen kennenlernen. Den ausführlichen Rechtsratgeber des LSVD⁺ findest du im Kapitel Quellen.

Häufige Fragen

Was ist eine Regenbogenfamilie?

Eine Familie, in der mindestens ein Elternteil lesbisch, schwul, bisexuell, trans oder nicht-binär ist. Der Begriff sagt nichts darüber, wie die Kinder in die Familie gekommen sind – durch frühere Beziehungen, Adoption, Pflege, Samenspende oder Co-Parenting.

Wie gründet man eine Regenbogenfamilie?

Im Inland über Samenspende (lesbische Paare, Solo-Mütter) oder Co-Parenting (schwule Paare mit einer Frau oder einem lesbischen Paar). Adoption und Pflegschaft sind weitere Wege, Leihmutterschaft ist in DE, AT und CH verboten.

Was ist ein Vater mit Onkelfunktion?

Der biologische Vater, der bekannt ist und das Kind regelmäßig sieht, aber nicht Elternteil im Alltag ist. Er hat eine Rolle wie ein Onkel: präsent, aber ohne Erziehungs- und Entscheidungsverantwortung. Die Mutter mit Tantenfunktion ist das Gegenstück bei schwulen Vätern.

Was ist eine Co-Mutter?

Die Partnerin der Frau, die das Kind bekommt, auch Mitmutter genannt. Sie ist von Anfang an Elternteil im Alltag. Rechtlich wird sie es in Deutschland durch Stiefkindadoption, in Österreich bei Ehe oder eingetragener Partnerschaft automatisch mit ihrer Zustimmung zur Zeugung, seit 2024 auch bei privater Spende, und in der Schweiz automatisch bei einer Zeugung über eine Samenbank.

Können drei oder vier Menschen rechtlich Eltern sein?

Nein. In allen drei Ländern hat ein Kind rechtlich höchstens zwei Eltern. Mehrelternschaft ist ein gelebtes Modell mit Vereinbarungen; weitere Bezugspersonen können ein Umgangsrecht haben, aber kein Sorgerecht.

Geht es Kindern in Regenbogenfamilien gut?

Ja. Die vom deutschen Justizministerium beauftragte Bamberger Studie (Rupp 2009) und viele internationale Untersuchungen zeigen, dass sich Kinder in Regenbogenfamilien genauso gut entwickeln wie andere Kinder. Was zählt, ist die Qualität der Beziehungen, nicht die Konstellation.

Wie finde ich auf wunschfamilie.com Menschen für mein Familienmodell?

Wähle im Profil deine Rolle – etwa Co-Elternteil, Samenspender, Mehrelternschaft, Queerfamily, Vater mit Onkelfunktion oder Mutter mit Tantenfunktion – und filtere in der Suche danach. Dazu kommen Land, Bundesland oder Kanton und Stadt. Registrierung, Suche und Nachrichten sind kostenlos.

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